Fazit und Abrechnung

Nun bin ich doch wieder an dem Punkt angekommen, an dem ich selbstständig noch etwas schreiben muss, um vielleicht ein paar Fragen zu beantworten. Mittlerweile sind wir seit 4 Tagen wieder im Land und einiges hat sich wieder gesetzt. Was haben wir erlebt? Ettliche Reisekilometer, ein gigantisches Festival, neue Freunde kennengelernt, neue Sitten kennengelernt, die eigenen Leute richtig kennengelernt, viel Spass gehabt, einen neuen Freizeitpark entdeckt und so vieles mehr. Hat es sich gelohnt? Uneingeschränkt auf alle Fälle! Würde ich es wieder tun? Eigentlich gerne, nur bleibt an der ganzen Geschichte der Haken "Geld", so schön es war, so teuer war es doch auch. So fallen Reise- und Lebenserhaltungskosten doch um einiges höher als bei einem Ausflug zum Ring aus. Als einmalige Erfahrung auf alle Fälle gut investiertes Geld - doch rentiert es sich auch auf Wiederholungsbasis? Das weiß ich im Moment noch nicht und da werden sich die Erlebnisse wohl erst noch einmal richtig setzen müssen.

Die deutlich preiswertere Alternative: Anreise per Flugzeug. Dago hatte sich sogar ein Begrüßungs-Kommando dazu gebucht!

Doch welches Festival war nun besser? Mein Alltime-Favorit RaR oder doch das neue, unbekannte Download? Ich wage an dieser Stelle einmal einen Vergleich in verschiedenen Kategorien.

Land und Leute
Vorher für unmöglich gehalten und sogar Angst davor gehabt: im Vergleich zu den Deutschen sind die Engländer die besseren Menschen (zumindest auf einem Festival und in Freizeitparks). Viel freundlicher, viel netter, unvoreingenommen und nicht nachtragend. Dazu viel disziplinierter. Ein Wunschtraum, dass man am Ring einmal ohne Gedränge, Geschubse und Gedrücke auskommt. Kein Stress beim Campingplatz beziehen, keine Stresser, höchstens mal ein paar Freaks und Mugels. Vergleicht man das mit dem Chaos-Kinder-Publikum vom Ring, kann die Wertung nur lauten:
Punkt Download


Camping & Parken & Laufwege
Die Aufteilung von RaR ist bekannt und hat sich bewehrt. "Kleine" Campingplätze mit dazugehörigen kleinen Parkplätzen. Die Wege zwischen Auto und Zelt werden so minimiert. Der Weg zum Festival ist abhängig vom bezogenen Campingplatz und kann daher schonmal eine Stunde in Anspruch nehmen. Beim Download gibt es nur 4 große Parkplätze, diese liegen allerdings alle etwas gleich weit vom Eingang zum Camping entfernt (es gibt nur einen zentralen Eingang, durch den man immer wieder durch muss). Zudem sind die Parkplätze dementsprechend gigantisch groß, so dass man dort je nach Parkplatz-Standort noch einmal 15 Minuten extra läuft. Die Campingplätze selbst liegen alle aneinander und gehen praktisch fließend ineinander über. Wir hatten den Vorteil direkt am Eingang zu "blau" zu sein und somit den kürzesten Weg zwischen Camping und Parkplatz überhaupt zu haben, aber selbst hier war man knapp 20 Minuten zum Auto unterwegs (one way). Der Weg vom Camping zum Festival dauerte dann je nach Andrang auch nochmal zwischen 20 und 30 Minuten. Die Laufwege sind also definitiv beim Download länger, wenn man nicht so optimal wie wir campt, können da noch ganz andere Wege auf einen zukommen. Ein "Bandhopping" (auf's Festival wegen einer Band, dann wieder zurück zum Camping) ist hier praktisch sinnlos. Auf dem Campingplatz waren Aggregate nicht erlaubt, so dass dieser komplett stromfrei war. Hier wird noch mehr geredet als mit Musik durch die Gegend geschallt, was vor allem Nachts sehr angenehm ist. Die sanitären Anlagen sind allerdings auch hier ein Problem. Standartmäßig gibt es nur Dixis, wer eine richtige Toilette nutzen will, muss erst einmal 3 Pfund zahlen und vorher je nach Tageszeit eine ganze Zeit lang anstehen (Preis bei RaR: 50 Cent), dafür sind die Duschen kostenlos und haben zudem Warm-Wasser (bei RaR 2,50 Euro).
Punkt: RaR


Partyareal & Dienstleistungen
Bei Rar verteilen sich die Buden vor allem auf dem Festivalgelände selber. Außerhalb des Festivals findet man größtenteils nur Fressensstände und Discozelte. Das Angebot auf dem Festival umschließt primär Fressbuden und "Krämer"-Läden sowie ziemlich viele Stände der Sponsoren. Beim Download-Festival befindet sich das Party-Angebot in einem extra Bereich, den man jedes Mal durchqueren muss, wenn man beispielsweise zwischen Campingplatz und Auto hin und her will. Dieser Party-Bereich hat eine ziemliche Größe und umschließt neben den von RaR bekannten Fressbuden und Krämer-Läden auch einen ganzen Stapel an Fahrattraktionen, Unterhaltungszelte mit Bühnen (Zelt für Musikauftritte, Zelt für Comedy, Zelt für Kino), den Dusch-Park sowie eine breites Angebot an Dienstleistern (Geldautomaten, Ladestationen für alles Mögliche, Informationen etc.). In Summe ein deutlich größeres Angebot als bei RaR mit vielen sinnvollen Angeboten, die bei RaR teilweise einfach fehlen (und damit meine ich jetzt nichtmal speziell die Teestube).
Punkt Download


Essen & Trinken
Bei RaR und Download gibt es jeweils eine riesige Auswahl an Essen. Die Preise sind hier in etwa ähnlich, zwischen 3 und 7 Euro/Pfund bekommt man etwas zu essen. Allerdings hinken die Engländer bei der Quailtät der Speisen deutlich hinterher. Bis wir durch Durchprobieren brauchbare Speisen gefunden haben, hat es doch schon 4 Tage gedauert. Bei der Getränkeauswahl haben allerdings die Engländer die Nase vorne. Beim Preis RaR ähnlich (1 Bon = 3,75 Pfund = ca. 4,50 Euro für 0,5 Liter, RaR = 3,5 Euro für 0,4 Liter), allerdings kommt man über das Bon-System schneller an Getränke (alle "Major"-Getränke kosten einen Bon) und muss nicht immer in seinem Geldbeutel wühlen. Auch Tuborg sehe ich im Vergleich zu Warsteiner definitiv im Vorteil. Negativ fällt allerdings auf, dass es auf dem kompletten Festivalgelände nur 4 oder 5 dieser Getränkestände gibt, man demnach also teilweise immer ein gutes Stück laufen muss. Männer mit "Nachfüll-Rucksack" gibt es leider nicht.
Punkt: RaR


Festivalgelände
Der Nürburgring ist eine tolle Rennstrecke, die allerdings zwischen Boxen und Strecke recht eng ist. Daher ist gerade der Platz vor der Center-Stage alles andere als breit, schnell stapeln sich die Leute daher in die Länge. Relativ schnell ist man hier an dem Punkt, an dem man keine Sicht mehr auf die Center hat, da Leinwände, Boxentürme und Bierstände einem in der Sicht stehen. Die Konzerte verfolgt man dann mehr oder weniger direkt über die Videoleinwände. Allerdings hat dieser enge Platz auch einen Vorteil: er ist komplett betoniert! Dieser Vorteil wird vor allem dann essentiell, wenn man den einzig großen Nachteil des Download-Areals betrachtet: bei Regen wird es zu einer Schlamm-Hölle. Umso schöner ist das Areal allerdings bei schönem Wetter. Vor der Hauptbühne erstreckt sich eine breite Rasen-Fläche, die ungefähr 5 Mal so breit ist wie der Platz bei Rock am Ring. Zudem ist sie nach hinten hin leicht ansteigend, so dass man von überall eine freie Sicht auf die Bühne hat. Ich Wähle Schlamm über schlechte Sicht, daher:
Punkt: Download


Sound
Brauchen wir da wirklich drüber diskutieren? Wer schon einmal bei RaR war, weiß, der Sound bewegt sich zwischen abartig schlecht und total verhunzt. Man muss schon wirklich gut stehen um sauberen Klang mitzukriegen. Bei den anderen Bühnen ist der Sound meist ordentlich, das Problem, dass an der Alterna teilweise der Sound von der Center ankam, ist mittlerweile ja zumindest halbwegs gelöst. Dieses Überschneidungsproblem hat man beim Download auch, allerdings nur, wenn man vor der Center auf der Höhe der 2.Stage sitzt. Bewegt man sich dann allerdings ein paar Meter nach vorne, ist dieses Problem gelöst. Ansonsten ist hier (trotz deutlich kleinerer Musik-Anlage) nichts am Sound, weder an der Center noch an der 2.Stage, zu bemängeln.
Punkt: Download


Stimmung
Achtung, hier wird nur auf die Stimmung während den Konzerten abgestellt. Stimmung auf dem Campingplatz fällt unter Land & Leute.
Naja, die Stimmung war mit die größte Enttäuschung, bzw. vielleicht waren einfach meine Erwartungen zu hoch, stellt man sich doch beim Namen "Monsters of Rock" die Festival-Legende überhaupt vor. Tatsächlich war die Stimmung bei AC/DC und Aerosmith leider sehr bescheiden, zumindest wenn man RaR-Konzert-Niveau gewohnt ist. Lediglich die Stimmung beim RATM-Konzert würde ich besser als die Stimmung beim identischen RaR-Konzert werten. Allgemein kommt am Ring aber einfach mehr Stimmung auf (sieht man mal von Ausnahmen wie bei "Paradise City" und "I dont't want to miss a thing" ab).
Punkt: RaR


LineUp
Nun ja, was soll man bei Headlinern wie AC/DC, Aerosmith und RATM noch groß sagen? Ergänzt wurde das Ganze dann noch durch ein paar andere, nette Acts wie Slash oder STP. In der Breite war mir allerdings zu wenig geboten, habe ich auf diesem Hard'n'Heavy Festival doch das "Alternative" vermisst. Umgekehrt bei RaR: nicht ansatzweise so starke Headliner, aber mehr Tiefe. Was ist nun besser? Ich weiss es wirklich nicht... Daher:
Punkt: Unentschieden


Preis & Leistung
End-Ticketpreis RaR: 160 Euro, End-Ticketpreis Download: 225 Euro. Mehr geboten bekommt man allein wegen dem Festival-Park beim Download, da lege ich mich fest. Auch die wahnsinns Headliner kosten halt ihr Gekd, daher ist der Karten-Unterschied zum Ring schon gerechtfertigt. Weniger gerechtfertigt sind allerdings die von den Engländern zahlreich erhobenen Spass-Gebühren. So werden einem beispielsweise beim Parken auf der offiziellen Park-Fläche gleich nochmal 25 Euro abgeknöpft (bei RaR ist dieser Posten enthalten), ein Festivalprogramm kostet 12,50 Euro (RaR 5 Euro) und einmal seinen Handy-Akku laden kostet 6 Euro (bei RaR kostenlos möglich... wenn man rechtzeitig kommt und seinen Ausweis dabei hat :D). Lediglich die T-Shirts sind auf beiden Festivals gleich teuer, dafür fehlt auf den Download-T-Shirts gleich mal einer der 3 Headliner (AC/DC). Dank Spassgebühren:
Punkt RaR


Organisation
Hier haben wir uns in den letzten Jahren bei RaR immer mehr und mehr geärgert. Mehr Restriktionen führen hier zu mehr Chaos, das Ganze gipfelte dann dieses Jahr Mittwochs morgens in einem noch größeren Verkehrs- und Anreisechaos als bereits letztes Jahr. Die Securities sind oft überfordert und Entscheidungen/Regelungen des Veranstalters häufig nicht nachvollziehbar. Das krasse Gegenteil beim Download: Hier wundert man sich häufig über Regelungen, hat dann aber genauso häufig "Aha!" Erlebnisse wegen genau diesen Regelungen. Egal ob beim Befüllen der Parkplätze (die Parkplätze werden geichmäßig gefüllt), Verteilung der Bändchen (einheitlich beim betreten der Campingplätze) oder dem Bon-System auf dem Festival, könnte sich MLK mal ein paar Scheiben abschneiden. Auch die Securities sind viel relaxter (und veranstalten schonmal im Security-Camp ihre eigenen Flunkyball-Meisterschaft) und der Veranstlater hat eine ganz andere Autorität. Alles in allem viel gediegener, stressloser und besser durchdacht.
Punkt Download


Ergebnis: 4:4 Unentschieden


Abschließen führt das zu einem Unentschieden zumindest was die Punkteverteilung angeht. Dass man die Punkte nicht alle gleich schwer gewichten darf, ist allerdings auch klar. Was ist jetzt meine persönliche Gewichtung, also was würde ich letztendlich vorziehen? Nun ja, würde mir jemand sagen, such dir aus ob du nächstes Jahr wieder nach England oder zurück zu RaR willst, ich schicke dich dahin, wo du willst, ich würde ohne Wimpern-Zucken das Download wählen. Müsste ich das Ganze dann aber auch zahlen, würde die Entscheidung wohl anders aussehen. Machen wir uns nichts vor, das Festival war ein gigantischer Spass - nur es hat leider auch einen großen Batzen Geld gekostet, der einfach durch erhöhte Fahrt-, Ticket-, Spass- und Lebenserhaltungskosten zu Stande gekommen ist und der sich auch nur schwer verkleinern lassen wird. Einmal war es das definitiv und uneingeschränkt Wert. Ob das allerdings bei einer Wiederholung auch noch der Fall wäre, bleibt fraglich...

Was nun tatsächlich die Zukunft bringt, bleibt offen, wird wohl nächstes Jahr viel von Bands und Alternativen abhängig sein. Doch egal wohin es geht - lustig wird's auf alle Fälle :) Vielen Dank an alle, die dabei waren, für die ein unvergessliches Erlebnis! - Tim

So long and thanks for all the fish!




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